Enjoy the Ride - Sanipass, Drakensberge und der höchste Pub von Africa

 

„Oh mein Gott – ich werde sterben! Das Auto wird den Halt verlieren, wir werden uns überschlagen und die Böschung hinabrollen!“ - schreit es in mir! Im Fortgang meines Zwiegesprächs höre ich mich beruhigend sagen: „Baby, keine Sorge! Es ist nur ein bisschen holprig, der Mann weiß schon was er tut!“ Noch immer umklammere ich den Griff des Autos auf der einen Seite und das Knie meines Beifahrers auf der anderen. Der findet es auch irgendwie toller als ich. Ist ja auch ein Mann. An dem Punkt muss ich auch eingestehen, dass Frau doch ganz glücklich ist, dass wir zu dem Allradfahrzeug (4x4), noch den Guide und Fahrer mit dazu gebucht haben. Unsere Tour führt den Sanipass hinauf und damit bewegen wir uns auf dem höchsten Gebirgspass Südafrikas. Auf 2473 m Höhe über dem Meeresspiegel, windet er sich über zahlreiche Serpentinen bis ins Königreich Lesotho. Allein auf einem Teilstück von 6,5 Kilometern werden 1330 Höhenmeter überwunden und damit ist der Sanipass einer der drittsteilsten Pass-Straßen der Welt und natürlich nicht asphaltiert - was ihn bei Geländewagen-Fans so beliebt macht. 20,5% Steigung führen bei mir allerdings zu Selbstgesprächen.

Diese werden noch zusätzlich angeheizt durch all die erheiternden Geschichten unseres Guides. Denn „Oh my god“ – wird auch der erste Teil des Sani-Passes liebevoll genannt. Im Fortlauf der Tour abgelöst durch „Beginning of african massage“ und gipfelnd in „Highway to hell“. Ich versuche die Schräglage des 4x4 zu ignorieren und mich stattdessen auf die Schönheit der Umgebung zu konzentrieren. Denn gerade habe ich erfahren, dass es die Drakensberge, einst die landschaftliche Inspiration zu der „Herr der Ringe“ Saga geliefert haben sollen. Das J. R.R. Tolkien mit 3 Jahren bereits Südafrika verlassen hat und diese Geschichte vielleicht auch ins Reich der Märchen gehört, möchte ich hier nicht weiter vertiefen.

Aber in der Tat beflügelt diese Kulisse und es ist ein Leichtes sich vorzustellen, man hat die friedliche Heimat der Hobbits gerade hinter sich gelassen und durchquert nun Mittelerde. Von den Zulus werden die bizarren Bergspitzen uKhalamba, "Barriere der Speere" genannt, mit viel Phantasie, kann man darin aber auch den Rücken eines Drachen sehen. Beim Zwischenstopp gleite ich also elegant wie eine Elfe aus unserem Gefährt, stelle mich in den Wind und genieße den Blick hinab ins Tal der Phantasie. Ein erhabenes Gefühl und ich bin immer wieder davon fasziniert wie facettenreich sich Freiheit in Südafrika anfühlt. Sei es auf Felsen am Meer, beim Gamedrive in der Karoo oder eben hier im Bergmassiv. Und dabei frage ich mich, woran es liegt? Ist es die Stille? Fernab von Autolärm. Ist es die Weite? Kilometerweit keine Zeichen von Zivilisation. Oder eben die Kombination aus Ruhe, Abgeschiedenheit und landschaftlicher Schönheit.

Vorbei an liegen gebliebenen Autowracks, haben wir uns die halsbrecherischen Haarnadelkurven nach oben gekämpft, haben der Schotterpiste getrotzt und dem Geländewagen klettern beigebracht. Geradezu lächerlich erscheint es mir also, dass Four by Four- Cars in unserer modernen Welt nur noch zum Handtaschenkauf in Großstädten ausgeführt werden. Und hier schleppen sich noch immer einfache Feuerholzträger aufs Plateau, dessen karge Vegetation nur aus busch- und baumloser Steppe besteht. Für sie hat sich seit der britischen Kolonialisierung nicht viel getan. Den beschwerlichen Weg haben sie sich auch damals schon mit ihren Maultierkarawanen den Pass hinauf gequält.

Unser Guide beginnt wieder zu erzählen: Wisst ihr, ich habe so einen einfachen Basotho-Hirten mal gefragt, wie viel Geld er auf der Bank hat. Er schüttelte den Kopf und erklärte mir, er habe kein Bankkonto. Also fragte ich ihn, wie viel Bares er unter dem Kopfkissen habe. Wieder Kopfschütteln. Umgerechnet 5 EUR habe er einstecken, das ist alles was er an Geld habe. Dann bist Du also ein armer Mann, begegnete ihm Rayn. „Nicht ganz, ich habe 1.000 Schafe“. Bei umgerechnet also 20 EUR pro Tier wären das 20.000 EUR. „Dann bist Du ja sogar reich! Warum also, lebst Du so arm?“ Wieder Kopfschütteln beim Hirten. „Ich verstehe euer Leben nicht. Die Leute aus aller Welt kommen zu mir, berichten wie stressig ihr Leben ist, wie teuer alles ist, wie Neid und Missgunst sich breit machen und wie ausgebrannt sie sich fühlen. Mir geht es gut hier. Ich habe zwar ein einfaches Leben, aber dafür kann ich es genießen - die Natur, meine Tiere und das Miteinander im Dorf.“

Betroffene Stille macht sich um mich breit: Ja, vielleicht haben wir vergessen wie wenig man doch eigentlich braucht um glücklich zu sein. Wohl jedem in unserer Gruppe gibt diese Geschichte zu denken und wir betrachten die Menschen, ihre einfachen Hütten und ihren ärmlichen Lebensstil auf einmal mit ganz anderen Augen.

Ein schweres Holzschild über dem Tresen verkündet, wir haben soeben den höchsten Pub Africa´s betreten. Dramatisch an der Kante des Plateaus gelegen erinnert er mich eher an eine rustikale Berghütte in den Alpen, ausgestattet mit Skiern, vergilbten Bildern an der Wand und knisterndem Kamin. Wieder höre ich meine innere Stimme zu mir reden: „Frau hat sich jetzt etwas Erholung und ein Bier verdient.“ Ich gönne mir ein Maluti Premium Lager - ein in Lesotho gebrautes Bier – und schlängle mich an unzähligen Touristen vorbei auf die Veranda.

In keinem Foto festzuhalten und nur schwer zu beschreiben ist das Panorama, was sich mir hier bietet: Spektakulär und im Zickzackkurs fällt die Straße hinab ins Tal, ragt die zerklüftete, karge Gebirgslandschaft in den Himmel empor, lassen sich in der Ferne die sanften und grünen Hügel KwaZulu-Natals ausmachen.

Und mir wird schlagartig wieder bewusst, dass es zwar schon eine Herausforderung war, den Sanipass herauf zu fahren, aber runter, noch mal eine ganz andere Hausnummer ist. Dabei fällt mir auch wieder ein, dass die eigene Einstellung ursächlich dazu beträgt, wie man sich gerade fühlt und da wir hier schon bei Märchengeschichten sind, gestalte ich mir meine eigene.

In mäßigem Tempo ruckeln wir den Sanipass wieder hinunter. Die Reifen bezwingen, den ein oder anderen Felsen, wir bewegen uns haarscharf am Abgrund entlang und ich grinse sogar noch. Ich habe nämlich beschlossen, mir einfach vorzustellen, dass ich INDIANA JONES kleine Schwestern bin, Abenteuer und Aufregung liebe und die Abfahrt als riesen Spaß genieße.

Wer sich also auch gerne ins Reich der Geschichten und sagenhaften Landschaften begeben möchte, dem sei der Sanipass hiermit wärmstens ans Herz gelegt. Ein wenig Phantasie, Abenteuerlust und Gefallen an Geländewagen-Ausritten, sollte man dabei allerdings schon mitbringen, damit es zu einem unvergesslichen Erlebnis wird.

Und eins sei auch noch erwähnt: Selbstgespräche sind kein Grund zur Sorge – bedenklich wird es erst, wenn man etwas Neues erfährt *smile*


 


 

8.4.13 13:34, kommentieren

Cederberge - Oase der Ruhe und Schönheit


So romantisch Meeresrauschen auch beschrieben wird, ich kann dem dumpfen Grollen nichts abgewinnen. Und manchmal sehnt es mich einfach nach absoluter Stille. Ich hab mir also ein Auto gemietet, habe die Kamera und das Mountainbike dabei und bin auf dem Weg in die Cederberge - zu meiner kleinen Ruhe-Oase.

Mein Urlaubsziel ist eigentlich nur 2h Fahrt von Kapstadt entfernt, aber was heißt das schon für eine Hobbyfotografin, die an jeder Milchkanne stehen bleibt? Südafrika - für mich- ist ein so spannendes, inspirierendes und kontrastreiches Land, das ich es schaffe, meine Anreise auf 6h auszudehnen. Wunderschöne Passstraßen, die sich die Berge hinauf schlängeln und auf ihrem Gipfel den Blick auf malerische Täler freigeben. Kleine Seen, die bezaubernd eingebettet sind in grüne Wiesen mit darauf weidenden Pferden.

Ich genieße jede Minute und erreiche die Cederberge erst zur Dämmerung. Noch immer flimmert der Dunst der Tageshitze über den staubigen Straßen, lässt die Sonne den Sand und die Felsen in rotem Licht erglühen. Ich beschließe, etwas Gas zu geben, um mein Domizil noch im Hellen zu erreichen. Keine gute Idee, wie sich schnell heraus stellt. Mit guten 80 km/h fährt das Auto auf dem Kiesweg wie im Winter über Schnee und Eis, ich kann nur schwer die Spur halten und drifte aus der Kurve. Fliehkräfte intelligent eingesetzt, können allerdings auch verdammt viel Spaß machen, also schalte ich einen Gang runter und genieße fortan mit Bedacht.

Mit den letzten Lichtstrahlen erreiche ich mein Backpacker, wo ich von Gerrit dem Besitzer schon erwartet werde. Und das "Oasis" ist hier nicht nur ein gut klingender Name - es ist eine wahre Oase. Eine Oase der Stille, Einsamkeit und Ruhe. Noch beim Aussteigen schließe ich die Augen und atme tief, so als könne ich mit einem Atemzug ein neues Lebensgefühl in mich aufsaugen. Später am Abend sitze ich mit Gerrit am knisternden Kaminfeuer, wir philosophieren über die Welt, was ihn hier leben lässt und mich hergeführt hat. Er beginnt mir eine Karte zu malen. Eine Besonderheit des Hauses. Jede Kurve, jede Felsformation und jeder markante Wegweiser im Umkreis finden darin Platz und sollen mir Orientierung geben. Und zu allem, gibt es noch eine Geschichte, eine Anekdote oder einen liebgemeinten Hinweis.

Ich kann es kaum abwarten, zu starten. Vor lauter Vorfreude finde ich keine Ruhe und streife noch durch den nächtlichen Garten, der nur durch das Licht des Mondes erhellt wird. Ich wandle entlang der duftenden Zitronenbäumchen, finde einen gemütlichen Platz im Gras, lasse mich nieder und bestaune diesen gewaltigen Sternenhimmel. Und dann nehme ich sie ganz bewusst wahr - diese einmalige Stille. Die allerhöchstens von einzelnen Tierlauten unterbrochen wird. Es ist wunderbar meditativ.

Am nächsten Morgen dann, starte ich mit dem Rad, immer der Karte folgend die Sandstraßen hinauf und wieder hinab. Ich raste am Bächlein, hab die Füße im Wasser, esse mein Sandwich in der Sonne und genieße einfach die vollkommende Abgeschiedenheit. Ein Hochgenuss - kein Meeresrauschen, kein Autolärm, kein Handyklingeln, kein Internet, kein Facebook und absolut keine Erreichbarkeit. Ich merke, wie all das mir gut tut, ich zu meiner Gelassenheit zurück kehre und die Natur mich inspiriert.

Immer wieder greife ich zur Kamera und halte fest, was mich hier so fasziniert. Ein rostiger Traktor als Zeuge der Zeit, Bäume im malerisch bunten Gewandt des Herbstes und majestätisch anmutende Felsformationen. Ich radel, klettere herum und entdecke jede noch so kleine Sehenswürdigkeit von meiner Skizze. Ich fühle mich wie ein Abenteurer mit einer Schatzkarte bei der Suche nach dem Gold der Piraten. Doch was man hier in den Cederbergen findet, ist ohnehin mit Geld nicht aufzuwiegen. Denn diese Gegend gibt einem die Chance, wieder zu sich zu finden und all das Schöne, was unsere Welt uns bietet, wieder auch wahr zu nehmen.

Mit einem inneren Lächeln kehre ich also aus den Cederbergen zurück. Ich habe all die spektakulären Felsformationen meiner Karte gefunden, bin auf Felsen rumgeklettert, habe die sagenumwogenen Zeichnungen der San (Ureinwohner) entdeckt und erinnere mich mit Freude an die Momente beim Mountainbiken zurück - als das Adrenalin auf den Abfahrten, in meine Venen schoss und der Fahrtwind mir die Glückstränen aus den Augen jagte.

So simpel staubige Wege und ein "paar" Felsen auf manche Menschen auch wirken mögen, die wahre Magie dahinter entdeckt nur, wer mit offenen Augen durchs Leben geht.

 


24.3.13 12:32, kommentieren

Straße der Träume – Chapmans Peak Drive

 

Zeit ist ein kostbares Gut und gerade im Urlaub wäge ich sehr genau ob, was ich damit mache, welche lohnenswerten Ziele es gibt und was man unbedingt gesehen haben sollte.

Wir waren 11 Tage in Kapstadt und der Gegend der Klein Karoo unterwegs. Jeden Tag Programm - Oldtimertour durch die Weinberge, Abseilen vom Tafelberg, Quadbiken und Sandborden in den Dünen, auf Safari in Sanbona, bei den Pinguinen in Simons Town und wandern am Kap der Guten Hoffnung. Nun war uns eigentlich nur noch danach all die Eindrücke auf uns wirken zu lassen und gedankenversunken am Meer zu sitzen. Wäre da nicht noch die eine unabgehakte Sache auf meiner „Kapstadt-to-do-Liste“ gewesen.

„Müssen wir denn da wirklich noch hin?“ – höre ich meinen Kumpel fragen. „Es ist doch nur eine Straße am Meer“. Schon - aber was für Eine!

Etwas missbilligend und wohl nur mir zu liebe, steigt Tom ins Auto. Von Simons Town geht es über die Berge bei Glen Clairn rüber nach Nordhook. Wir sind auf dem Weg zum Chapmans Peak Drive – einer der berühmtesten Küstenstraßen der Welt. So ziemlich jede große Automarke hat hier schon die atemberaubende Kulisse genutzt und werbeträchtige Aufnahmen gedreht.

Wir fahren den Anstieg hinauf, als sich uns das erste spektakuläre Panorama bietet: Der Blick auf den Longbeach im warmen Licht, der untergehenden Sonne. Kilometerlanger, schönster Sandstrand, türkisblaues Meer mit weißen Schaumkronen der Wellen und ganz im Hintergrund das Wahrzeichen von Kommitije, der Leuchtturm. Zwar waren wir schon an diesem Strand, aber die wirkliche Größe und Schönheit eröffnet sich einem wohl nur, aus diesem Blickwinkel. Ab diesem Moment habe ich Tom wieder auf meiner Seite und es steht nicht mehr zur Diskussion: Den Chapmans Peak Drive muss man erlebt haben, egal wie lang der Tag schon war, wie voll und voller Eindrücke die Zeit in Kapstadt auch bisher gewesen ist.

Wie wir, parkt noch eine Gruppe junger Leute hier. Die Musik ist laut aufgedreht, es herrscht Partystimmung und uns umgeben fröhliche Gesichter. So viel Gute Laune steckt an. Wir winken ihnen zu und fahren weiter.

Die Straße ist in den Felsen geschlagen und schlängelt sich weit über dem Meer hinauf. Es bietet sich uns ein Blick auf imposante Felsformationen und den tosenden Ozean. Unsere Geschwindigkeit hat sich inzwischen auf Schritttempo reduziert. „Mach langsam, ich brauche noch ein Bild!“ Nicht nur Werbefotografen wollen diese Schönheit festhalten. Die Aussicht hinüber zum Hafen von Houte Bay, zu Seal Island und den Bergen – mir fehlen die Worte. Es ist unbeschreiblich schön.

Wir halten an einer der Parkbuchten und setzen uns aufs Mäuerchen, um die Aussicht auf die untergehende Sonne zu genießen. Dabei sind wir ein wenig wehmütig, denn eigentlich gehört es dazu, dass man so einen Sundowner auch gebührend zelebriert. Am besten mit einem guten Glas südafrikanischem Wein oder unserem neuen Liebling, einem Cider. Aber das hatten wir leider völlig vergessen.

Neben uns sind die Jugendlichen angekommen, die wir davor schon getroffen hatten. Sie sind besser organisiert und haben eine ganze Kühlkiste voller Getränke dabei. Es dauert nicht lange, da haben wir uns angefreundet und bekommen 2 Flaschen Cider in die Hand gedrückt. So ist Kapstadt – immer freundlich, weltoffen & kommunikativ.

Inzwischen küsst die Sonne die Horizontlinie, beginnt im Meer zu versinken und taucht die Felsen in glühend rotes Licht. Am Himmel formen sich Schleierwolken und wir meinen darin einen Engel ausgemacht zu haben. Und während die Sonne untergeht stoßen wir an: Auf das Leben und die Schönheit Südafrikas!

Für mich wird dieser Abend auf ewig unvergessen bleiben und wann immer ich zurück in Kapstadt bin, zieht es mich auch hinaus zum Chapmans Peak Drive.

 

1 Kommentar 22.2.13 20:53, kommentieren

Roadtrip at it´s best - Ronny´s Sex Shop und Route 62



Nur am Hotelpool liegen ist uns im Urlaub echt zu wenig, deshalb lieben wir Roadtrips. Es gibt wohl kaum einen spannenderen Weg Land und Leute zu erkunden, sich abseits der Touristenpfade zu bewegen und die ein oder andere Besonderheit zu entdecken.

Und was den Amerikanern die Route 66 ist, ist in Südafrika die Route 62 und diese wollten wir uns auf gar keinen Fall entgehen lassen. Sie ist landschaftlich eingebettet in majestätische Berge, malerische Pässe, hoch aufragende Felsen, kristallklare Bäche und einer Fülle von Weinbergen und Obstgärten. Am Rande der Strecke bieten sich eine Vielzahl von Attraktionen und Sehenswürdigkeiten.

Eine davon ist "Ronnys Sex Shop". Wir waren eigentlich schon dran vorbei gesteuert, als mir die Geschichte dazu wieder brandheiß einfiel. Also mit beiden Füßen hart auf die Bremse getreten, das Lenkrad rumgerissen und mit quietschenden Reifen genau dahin gesteuert. Sehr zur Verwunderung meines Beifahrers.

Und ganz nebenbei bemerkt, hatte ich sehr viel Freude an diesem Manöver. Zwar muss man sich auch in Südafrika an Verkehrsregeln halten, aber wo niemand ist, kann man auch niemanden stören!

"Warum zur Hölle fahren wir zu ’nem Sexshop mitten im Niemandsland?" - höre ich mein Gegenüber fragen.

Ich grinse über beide Ohren. "Das ist kein richtiger Sexshop. Als Ronny damals in diese Gegend kam, wollte er eigentlich einen Farm Shop eröffnen. Seine Kumpel haben ihm ´nen Streich gespielt und neben Ronnys Shop einfach noch das Wort "Sex" gepinselt. Das hier ist ein ganz besonderer Pup!"

Die weite, einsame Gegend, die kerzengerade Straße, die karge Vegetation und mittendrin eine Kneipe. Das alles erinnert eher an ein Biker-Lokal irgendwo zwischen Texas und Arizona.

Vorm Pub steht ein alter verrosteter Traktor, der wohl als Relikt zurück geblieben ist und als Symbol für die ursprüngliche Idee steht, hier Gemüse und Früchte verkaufen zu wollen.

Wir sind gespannt, was uns im Pub erwartet. Denn Ronny sammelt nämlich ganz besondere Trophäen. Von der Decke hängen hunderte BHs, in allen Farben, in allen Körbchengrößen und mit und ohne Polster. Staunend wandeln wir durch die Räume. Jeder, der hier einkehrt, hinterlässt etwas. Die Wände sind mit Visitenkarten tapeziert. Adressen von überall aus der Welt, von Menschen mit den unterschiedlichsten Tätigkeitsfeldern und Berufen.

Wir löschen unseren Durst mit einem kühlenden Bier am Tresen, während wir all die Hinterlassenschaften betrachten. BHs aus München, Caps aus Amerika, Flaggen aus Brasilien, verwaiste Teddybären und heiße Höschen. Für uns steht fest der Pub ist absoluter Kult! Er hat Staub, Geschichte und genau den gelassenen Bikerflair, den man hier auch erwartet.

Denn etwas, was die Cape Route 62 neben ihrem landschaftlichem Reiz wirklich zu etwas Besonderem macht, ist die Weite und die friedliche Stille die sie umgibt. Außer natürlich ich komme vorbei und bremse für ein kühles Bier.


11.2.13 14:34, kommentieren

Zebras, Sprinboecke, Elands und Leni

 

Hinterm meinem Nachbarort ist ein Atomkraftwerk mit angeschlossenem Naturreservat und da bin ich gestern mit dem Mountainbike hingeradelt. Nachdem Peter, der da arbeitet, mir erzählt hatte, dass es dort Spingböcke und wohl auch Zebras gibt. Letztere hat er aber noch nie zu Gesicht bekommen. Im Reservat ist es erlaubt zu biken und zu wandern. Ich wollte also mein Glück versuchen. Am Meer entlang ging es ins Naturschutzgebiet. Nachdem ich die Sicherheitskontrolle passiert hatte (sehr spannend bei nem Atomkraftwerk!) war ich doch reichlich gespannt, was ich erleben werde. Ich bin also erstmal drauf los geradelt, um dann direkt an einem großen Feld stehen zu bleiben. Grasende Springböcke, herumtobende Zebras und eine große Herde Elands. Die ich auf Grund fehlender Kenntnis zunächst für Kudus gehalten habe. Ich parke also mein Rad, schnapp mir meine Kamera und pirsche mich an. Allerdings habe ich auch da noch keine Erfahrungswerte und werde direkt erspäht und mißtrauisch beobachtet. Ich lasse meinen Rücksack liegen und laufe vorsichtig weiter. Die Elands werden nervös. Bauen sich in 5er Reihe auf. Hörner in Angriffsposition. In mir entwickelt sich der Gedanke lieber etwas mehr Abstand zu halten - die Tiere haben eine beeindruckende Größe und Stärke. In sicherem Abstand aber trotzdem noch mit idealer Fotodistanz lasse ich mich im Gras nieder. Mein Fotografenherz hat nämlich Feuer gefangen und will unbedingt ein paar tolle Schnappschüsse. Weiterhin unter den kontrollierenden Augen aller versammelter Herden, versinke ich hinter der Kamera. Ich bin mir nicht sicher, obs am schwarz/weißen Helm lag oder ob Zebras einfach nur neugierig sind, aber die ganze Herde nähert sich mir. Mißtrauisch werde ich umkreist und beeugt. Bis auf 3m kommen die Tiere an mich heran. Ich bin so nervös und aufgeregt, schaffe es kaum den Fotoapperat zu halten. Einfach mal den Moment genießen. Auge in Auge mit einem Zebra. Ich könnte ausflippen vor Glück! Jetzt werden auch die Elands neugierig. Die gesamte Herde von ungefähr 30 Weibchen und einem Bullen setzt sich in Bewegung und zwar auf mich zu! Mir fällt wieder das youtube-Video "Kudu vs Mountainbiker" ein, worin der Radfahrer nieder gerannt wird. Ich überlege wegzulaufen. Traue mich aber nicht und sitze da wie versteinert. Weglaufen, heißt es immer in Naturdokus, ist ein Zeichen von Schwäche und man wird wohl erst Recht attaktiert. In der Gruppe bewegt sich auch der Bulle auf mich zu. Ein riesiger Bulle und man spürt seine Dominanz. Bis auf 15m kommen die Tiere an mich heran. Mein Herz flattert. Aber die Haltung der Elands entspannt sich zusehends und auch die Zebras trollen sich lustig vor meiner Nase rum. Auch ich entkrampfe langsam wieder und mache mutig ein paar Bilder. Völlig überwältigt von diesem Erlebnis. Das wollte ich in Africa erleben. In der Mitte einer Herde sitzen und fotografieren. Das ist es, warum ich hier bin. Das ist so unglaublich schön! Mein Wildnis-Erlebnis wird jäh unterbrochen, als ein Parkwächter sich mit seinem Wagen nähert und mich zurück pfeift. Er bittet mich höflich etwas mehr Abstand zu halten, da Elands "very, very dangerous" sind. Das sie sich mir genähert haben, erwähne ich in diesem Gespräch lieger nicht. Ich laufe zu meinem Rücksack zurück, der gerade von einem Zebra beäugt wird. Ich frag mich, ob es wie bei Baboons vorkommt, dass die Tiere sich den schnappen und abhauen. Hab da schon die erstaunlichsten Geschichten gehört. Kurz davor, meinen Rücksack anzuknabbern, weicht das Zebra dann doch zurück, ich schnapp mir meine Sachen und trotte zum Rad zurück. Was für ein tolles Erlebnis. Ich bin überwältigt!

 

 

 

 

14.11.12 17:28, kommentieren

Big Swing – big fun!

Hui, hui – das war es, worauf ich mich schon so lange gefreut hatte. Urlaub in Südafrika, der mit einem Aufschrei beginnt! Nach Wochen im Büro, nach Monaten voll Arbeit und Stress war mir nach einem Befreiungsschlag. Nach fliegen, nach Adrenalin, nach Freiheit!

Ich habe diesen Canyon im Internet entdeckt. Auf dem Video ein Felsen der majestätisch in die Höhe ragt und darunter ein Wasserfall, der sich tosend in die Tiefe stürzt. Der perfekte Startplatz für ein verrücktes Huhn wie mich!

Und da stehe ich nun. Mein Puls rast, mein Herz schlägt bis in die Schläfen, meine Hände sind feucht und umklammern die Griffe. Ich renne auf die Rampe zu, mache einen riesen Satz und springe in die Luft… in die Leere. Mit einem Schrei löst sich all meine Anspannung, mit einem Satz hab ich meine Angst überwunden, mit ein paar Schritten fühle ich absolute Freiheit!

Ich schwebe dahin, gleite im Tragegurt über den Canyon. Hoch über der Schlucht und der Welt die nun unter mir liegt. Ich fühle wie das Adrenalin durch meine Adern schießt, wie reine Luft meine Lungen durchflutet und wieder leben in mir ist! Jetzt war ich da!

Vergessen die Anspannung der letzten Zeit, die Hektik der Großstadt, die Sorgen des Alltags – da war nur ich und dieser unvergessliche Moment.

Vor meiner Nase der Wasserfall, den ich mir so oft erträumt hatte und über mir nichts als blauer Himmel und Sonnenschein. So, ja genau mit so einem Paukenschlag wollte ich starten. Starten in einen atemberaubenden Urlaub, in ein eine phantastische Reise, in einem unglaublichen Land.

Dazu habe ich mir das Ziplinen über den Blyde River ausgesucht. Klar, hätte es auch der Bunge Jump sein können, aber ich wollte nicht den absoluten Thrill, sondern Genuss pur. Fallen lassen zwar, aber dann sicheres Hinübergleiten in eine tolle Zeit.

 


7.3.13 13:50, kommentieren

Garten Eden - Flowersaison im West Coast National Park

Jedes Jahr am Ende des südafricanischen Winters locken ganze Blütenmeere die Menschen in die Natur und in die Nationalparks. Weltruhm hat inzwischen das Namaqualand was jährlich Tausende anlockt, um diesem Schauspiel beizuwohnen. Fast noch ein Insider hingegen ist der West Coast National Park, der ebenso wunderschön erblüht und von Kapstadt aus schnell zu erreichen ist. Er liegt etwa 100 km nördlich an der R27 in Richtung Langebaan.

Der Park wurde 1885 eingerichtet, um die einzigartige Flora und Fauna vor Zerstörung zu bewahren. Mit 256 verschiedenen Vogelarten gehört er zu den bedeutesten Vogelschutzgebieten der Welt und ist damit Magnet für Ornithologen und Interessierte. Bekannt wurde der Park auch, weil man hier die ältesten Fußabdrücke eines Homo Sapiens  gefunden hatte. Ausgestellt sind die jetzt in einem Kapstädter Museum.

Wir haben uns einen ganz besonderen Tag ausgesucht, um in den West Coast National Park zu fahren. Es ist wunderbar warm, der Himmel ist strahlend blau und die Sonne lächelt uns entgegen. An der Strecke werden wir von Giraffen überrascht, die im anliegenden "Büffelfontain-Park" grasen. Natürlich halten wir für einem kurzen Fotostop und sind trotzdem nach nur 1h Fahrt am Ziel. 

Durch den Park fährt man am besten langsam und sehr wachsam. Natürlich auch, um die Landschaft zu genießen, aber hauptsächlich wegen der vielen Schildkröten, welche die Straße kreuzen, sich am Rand sonnen oder mitten im Weg rasten. Ein besonderes Spektakel ist es jedoch, wenn diese putzigen Zeitgenossen die Beine in die Hand nehmen und über die Wege flitzen. Man ist durchaus geneigt, ihnen nach zu laufen, sie einzufangen und sie mit nach Hause zu nehmen. Was natürlich strengstens verboten ist.

Uns lockt es zunächst in die Lagune des Parks. Sanft eingebettet liegt sie in der Landschaft, das Wasser ist türkisblau, seicht und für die Westküste angenehm warm. Am Sandstrand kann man wunderbar mit Decke und Picknickkorb in der Sonne liegen und einfach nur genießen.

Der Blick schweift über das Wasser, zu den typitschen Hausbooten und der  aufmerksame Beobachter entdeckt hier auch gleich die Vogelvielfalt des Parks. Selbst für mich nicht Ornithologen ein Erlebnis. Grellgelbe Vögel die munter zwitschern und geschickt ihre Nester flechten. Diese hängen wie kleine Coucons von den Bäumen. Im knietiefen Wasser entdecken wir Flamingos die anmutig auf Beute warten und im Sand schlendern verliebte Turteltäubchen.

Für uns geht es unterdies in den oberen Teil des Parks weiter. Das so genannte Postberg Nature Reserve ist nur speziell zur Flowersaison zugänglich. Vor uns erstrecken sich sanfte Hüegel, leicht abfallende Täler und eine Blütenpracht, wie ich sie vorher nie gesehen habe.

Wir halten, ich schnappe mir die Kamera und springe aufgeregt aus dem Auto, um direkt abrupt zu stoppen. Ich habe die Augen geschlossen, atme tief ein und inhaliere den Duft von Millionen Blüten. Kein Parfum dieser Welt ist gleichzeitig so zart, so intensiv, so flüchtig und doch so direkt, so unglaublich berauschend in seinem Bouquet. Ich öffne die Augen und stehe vor einem Meer voller Blüten, die ihre bunten Köpfchen der Sonne entgegenstrecken. Ein Teppich voller leuchtender Farben umgibt mich. Eine Pracht, wie Sie nur die Natur zaubern kann. Eine Farbpalette von pastellgelb bis zu kräftigem Violett. Und in mitten dieses Garten Eden weiden Kudus, grasen Gnus und stolzieren Strauße. Ich bin überwältigt. Ich hatte nur Blüten erwartet und erlebe nun die ganze Artenvielfalt des Parks.

Nachdem wir ausgiebig all den Blütenzauber beigewohnt haben, jedes Bienchen und jeden Schmetterling beobachtet und fotografiert haben, picknicken wir noch ausgiebig im Farmhaus.

Und bevor es zurück nach Kapstadt geht, nehme ich noch einen tiefen Atemzug zum Abschied, so als könnte man den Duft in sich konservieren.

Wir hatten einen wirklich wunderbaren Tag in diesem Garten Eden und jeder der Natur und Blumen liebt sollte sich die Zeit nehmen um einen Abstecher während der Blütensaison in einen der Parks zu machen.

17.9.12 15:56, kommentieren